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Zum Ende der Seite springen Könträre Konstellation der Eigenschaften?
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Kessi Kessi ist weiblich
Ranchbesitzer


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@Ang

Zitat:
Ich finde, dass ein schwules Paar, das klassische Rollenzuweisungen ablehnt, sehr viel fortschrittlicher ist, egal, wie bei denen dann der Haushalts-Alltag aussieht.

Kessi, ich streite nicht ab, dass Ennis und Jack unterschiedliche Eigenschaften, unterschiedliche Fähigkeiten etc. besitzen, Gegensätze ziehen sich bekanntlich an in einer Beziehung.



Ich denke man muss da erst mal zwei Dinge auseinander halten.

Das eine ist eine durchaus vernünftige Arbeitsteilung. Fangen wir in der Steinzeit an. Die Männer sind auf die Mammutjagd gegangen, weil sie in der Regel kräftiger waren als die Frauen und so ein Vieh wiegt ja auch einiges. Und dann hat man natürlich auch mit mehr Oberarmmuskulatur mehr Wucht um einen Speer in das Getier zu treiben. Gut hätte man jetzt natürlich auch die in der Regel körperlich schwächeren Frauen zu nehmen können und die mit dem kräftigen Bizeps hätte man die Beeren sammeln lassen und wäre ausgestorben.
Was ich damit sagen will ist, das es natürlich Sinn macht, denjenigen eine bestimmte Arbeit machen zu lassen, der dazu am besten geeignet ist.
In früheren Zeiten war die Arbeitsteilung geprägt von der körperlichen Kraft die jemand besaß...das Ackern des Feldes, die Arbeit in den Minen, der Bau von Kirchen, Pyramiden und Tempeln...war aus genau diesem Grund Männersache.
So ist die klassische Arbeitsteilung von Mann und Frau historisch gewachsen über einen sehr langen Zeitraum.

Bis dahin ist das alles eine durchaus vernünftige Sache, was nicht in Ordnung war, das sich daraus im Laufe der Zeit die Vorherrschaft des Mannes und die Rechtlosigkeit der Frau entwickelt hat und das ist die zweite Sache.
Frauen haben nicht wählen dürfen, die haben nicht studieren dürfen und bis in die 60ger Jahre hinein haben sie in Deutschland die Zustimmung ihres Ehemannes gebraucht um arbeiten zu dürfen.
Aus dieser Rechtlosigkeit der Frau resultiert die Abwertung allen Weiblichen und die Aufwertung von allem was männlich ist. Mit der Rollenteilung hat das nichts zu tun, wohl aber mit der Wertschätzung bestimmter Arbeiten und das hat sich bis in die heutige Zeit gehalten. Putzkräfte, Pflegekräfte in Krankenhäusern, Friseure verdienten die schlechtesten Gehälter in Deutschland.

In der heutigen Zeit ist die Arbeitsteilung nicht mehr in dem Maße abhängig von der körperlichen Kraft, weil man Maschinen hat die das größtenteils erledigen. Das jahrhundertelange Verständnis von Frauen und Männern hat aber dazu geführt das bis heute noch Mädchen und Jungen verschieden erzogen werden und aus dem Grund leider auch vermehrt geschlechtsbezogene Fähigkeiten besitzen, so das es die klassische Rollenverteilung immer noch gibt...das ist also das was mir die Gesellschaft in der ich lebe eben auch zeigt. Ergo ist das in den Köpfen der Menschen immer noch SO drin. Und auch wenn wir die Rechtlosigkeit der Frau inzwischen überwunden haben, ist diese Wertung leider immer noch da.

Gut aber kommen wir nun zu den schwulen Paaren.
Wir hatten ja an anderes Stelle schon mal den Ansatz das die Worte konservativ und fortschrittlich relativ sind. Konservativ bedeutet ich mache etwas so wie es immer schon gemacht wurde bzw. ich gehe konform mit gängigen gesellschaftlichen Normen und fortschrittlich bedeutet ich mache etwas anders als es bisher gehandhabt wurde bzw. entscheide mich gegen die gängige gesellschaftliche Norm.
Im Osten war es konservativ eine linke Partei zu wählen und progressiv in die Kirche zu gehen, im Westen genau umgekehrt.
Für ein heterosexuelles Paar ist es konservativ sich für Familie mit Kindern zu entscheiden, für ein schwules Paar hingegen ist es fortschrittlich.

Schwule Paare hatten ja eine lange Zeit gar nicht die Möglichkeit dieses Lebensmodell zu wählen und jetzt natürlich auch den entsprechenden Nachholebedarf, jedenfalls kommt das in den Medien so rüber, was ich persönlich auch verständlich finde.
Natürlich wird es auch Paare geben die sich für ein anderes Lebensmodell entscheiden, das liegt ja einfach auch an jedem selbst und an der Dynamik der Beziehung die ich führe.
Da ist auch überhaupt nichts dabei sich anders zu entscheiden, das ist ja auch keine Mode oder so, jedenfalls sollte das nicht so sein, sondern etwas womit man glücklich werden muss.

Nehmen wir mal den Fall an, jemand wählt das klassische Familienmodell und adoptiert oder bekommt zwei bis drei Kinder.
Ich konstruiere jetzt einfach mal eine stinknormale Familie nur eben in schwul. Nennen wir die beiden Männer der Einfachheit halber Paul und Sebastian. Paul arbeitet als Krankenpfleger und Sebastian steht bei Ford am Band...gut kann jetzt auch jede andere Automarke sein, nicht das ich hier irgendwie Werbung machen will. Jetzt hat sich Paul seinen Job gewählt weil er kommunikativ ist, fürsorglich und gut mit Menschen umgehen kann und Sebastian sich seinen weil er handwerklich begabt ist.
So jetzt haben die die Kinder und bei denen ist es ja blöderweise nicht so das die kurz nach der Geburt ihre Schnitten selber machen können, man muss sich also um sie kümmern, dafür braucht man Zeit. Jetzt haben die beiden Männer vielleicht auch ein kleines Häuschen oder zumindestens ein Wochenendhaus oder einen kleinen Garten, denn die Kinder wollen ja auch was zum Spielen und so viel Geld das sie jedes Wochenende in irgendwelche Spaßbäder oder Zoos gehen können, verdienen dieses beiden Normalos nun auch wieder nicht. Also wird einer von ihnen wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen am Haus oder an der Laube rumwerkeln und der kann dann natürlich in dieser Zeit nicht die Kinder auf den Topf setzen also muss das logischerweise der andere übernehmen...und da Sebastian handwerklich begabt ist und Paul kommunikativ und fürsorglich, macht es Sinn wenn sie sich die Arbeit so teilen das jeder das macht wozu er Talent hat.
Natürlich kann man jetzt diese Arbeitsteilung nicht absolut sehen...wenn Sebastian mal nicht werkelt dann kocht er vielleicht auch mal das Abendessen und wenn die Kinder schlafen, streicht Paul vielleicht auch mal den Zaun oder schleppt mit die Zementsäcke...das sind ja nur Tendenzen wo eben jeder auch in einer Beziehung seine Nische findet.

Ich habe Ennis und Jack ja in meinen "Geschichten von der Ranch" auch so ein Alltagsleben führen lassen mit vier Kindern und habe mich an den Charaktereigenschaften aus dem Film orientiert. Ennis habe ich immer als den handwerklich begabteren empfunden. Er schnitzt, er hat einen Blick dafür das das Zelt schief steht, er ist prinzipiell gewissenhafter in seinen Handlungen und Entscheidungen, weswegen er beim schießen auch trifft.
Auf der Ranch haben beide Männer gearbeitet, mit den Rindern, DAS haben meiner Meinung nach beide gleich gut gekonnt. Nach "Feierabend" habe ich Ennis das Haus um- und ausbauen, eine Dusche in das Waschhaus einbauen oder die Nähmaschinen von Jack reparieren lassen, weil ich mir vorstellen konnte das das jemand machen würde der handwerklich begabt ist und die Ruhe für solche Dinge auch hat. Jack hat hingegen mit den Kindern die Hausaufgaben gemacht...Jack kam mir immer ein bisschen intelligenter vor als Ennis und Jack konnte besser reden...Ennis hätte meiner Meinung nach Dinge nicht wirklich erklären können, selbst wenn er sie gewusst hätte.
Jack hat genäht in meiner Geschichte, weil er der Kreativere war und Ennis hat gebügelt und Wäsche zusammen gelegt, weil er der Ordentlichere war und obwohl ich nie irgendwann in dieser Geschichte die Worte "weiblich" und "männlich" verwendet habe, wurde ich auf Grund dieser Zuweisung von Arbeiten dafür kritisiert das ich Jack zu weiblich darstellen würde und das wäre doch auch ein Mann.
Anscheinend reicht die ganz normale Aufteilung von Arbeiten aus um jemanden als männlich oder weiblich zu definieren und wenn das schon Leute hier im Forum machen, dann hat die "Welt da draußen" ihr Muster erst recht im Kopf.

Zitat:
Geht denn Emanzipation nur, indem man sich des anderen Geschlechts "bedient"???? Und nein, ich finde es auch nicht in Ordnung, eine Frau als "ganzen Kerl" zu bezeichnen, die "ihren Mann" steht. Kann eine Frau nicht einfach aus sich heraus "stark" sein, "mathematisches Verständnis" besitzen, etc. ??? Muss sie sich dafür die entsprechenden Fähigkeiten eines Mannes ausborgen um sich damit aufzuwerten???


Ja dann sollte man aber fairerweise zu Männern auch nicht mehr sagen sie stehen ihren Mann. Das ist ja eine Aussage die als Kompliment gemeint ist und das gilt für Männer wie für Frauen.
Über die korrekte PC Sprache haben wir beide ja unterschiedliche Auffassungen aber darum geht es ja gar nicht...es geht ja vielmehr darum das männlich belegte Worte Komplimente sind und weiblich belegt Worte Beleidigungen und ein Weg das zu ändern ist in meinen Augen sich dabei einfach nicht mehr beleidigt zu fühlen. smile
20.01.2020 04:07 Kessi ist offline E-Mail an Kessi senden Beiträge von Kessi suchen Nehmen Sie Kessi in Ihre Freundesliste auf

AngLee Super Moderator AngLee ist weiblich


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Kessi, ich versuche gerade deine Kernausagen herauszufiltern.

@ Klassische Rollenzuweisung ablehnen/unterschiedliche Eigenschaften besitzen:

Zitat:
Original von Kessi
Ich denke man muss da erst mal zwei Dinge auseinander halten.

Das eine ist eine durchaus vernünftige Arbeitsteilung. Fangen wir in der Steinzeit an. [...]

Dagegen hat wohl kaum jemand etwas einzuwenden, dass in einer Beziehung jeder das tut, was er am besten kann/wozu er Lust hat, bzw.dass man notwendige Aufgaben verteilt, auch wenn keiner dazu Lust hat.
Zitat aus dem Artikel:
Zitat:
„Welche Rolle ist das denn?“, wollte ich wissen.
„Naja.“, sagte sie, als wisse ich schon. Ich wusste aber nicht.
„Wer putzt?“, fragte ich. „Er. Wer kocht? Ich. Wer wäscht? Beide. Wer bügelt? Keiner. Meinen Sie das?“
„Nee!“, rief sie. Und schwieg dann wieder, lächelnd.
„Wer sensibler ist? Ich. Wer bei Filmen schneller weint? Er.“ fuhr ich fort.
„So meine ich das nicht!“ Sie winkte ab. Ich aber war in Fahrt.
„Wer Löcher bohrt? Wer Reifen wechselt? Wer Fußboden verlegt? Beide. Es gleichermaßen hassend.“

Eindeutig Arbeitsteilung. Aber wer ist da jetzt die Frau? *lol


Und was ist jetzt das zweite, Kessi? Ist es das hier?:

Zitat:
Original von Kessi
Anscheinend reicht die ganz normale Aufteilung von Arbeiten um jemanden als männlich oder weiblich zu definieren und wenn das schon Leute hier im Forum machen, dann hat die "Welt da draußen" ihr Muster erst recht im Kopf.

Genau das ist es ja, was ich kritisiere. Diese Vereinfachung. Wobei ich nicht verhindern kann, dass jeder für sich in seinem Kopf diese Einteilung vollzieht, aber hier wieder ein Rollenverständnis festigen zu wollen, wo wir eigentlich dabei sind dieses Rollenverständnis abzubauen, was es ja im Osten nach deiner Aussage nie so gegeben hat, finde ich nicht in Ordnung. Zumal es auch noch auf ein Männerpaar angewendet, absurd ist.
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